Peter Jungwirth und Hündin Kathi. Die Frankfurter Gruppe des Boxer-Clubs will ihre Hunde nicht zu Kampf-, sondern zu Gebrauchshunden ausbilden. Über den Verein informieren können sich Interessierte heute beim Tag der offenen Tür.
Niederrad. Mit Schwung springt Kathi über das Hindernis, um ihrem Herrchen schnellstmöglich das Stöckchen wiederzubringen. Die Zuschauer sind von dem Können der Boxer-Hündin begeistert. Und auch Peter Jungwirth lobt seinen vierbeinigen Liebling – und bedenkt ihn mit Streicheleinheiten.
Bei den Tagen der offenen Tür des «Boxer-Klubs Gruppe Frankfurt» am Oberforsthaus hat Kathi mal wieder Gelegenheit, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Obwohl sie ihr Talent schon öfter unter Beweis gestellt hat, ist sie mit Freude dabei, das weiß ihr Herrchen Peter Jungwirth.
Der 72-Jährige gehört seit 14 Jahren dem Verein an. «Zehn Jahre lang war ich Vorsitzender.» Mit der Zeit sei ihm diese Aufgabe aber zu viel geworden – und so kürten ihn seine Kollegen zum Ehrenvorsitzenden. «Es macht unglaublich viel Spaß, sich mit anderen Boxer-Freunden auszutauschen», betont Jungwirth.
Trotz seines Rücktritts als Vorsitzender denkt der 72-Jährige nicht daran, sich aus dem Turniergeschäft zurückzuziehen. Bereits fünfmal nahm er an der Landesausscheidung Hessen für Fährtenhunde teil. «Im vergangenen Jahr holte ich mit meiner Kathi sogar den zweiten Platz.»
Doch das reichte dem ehrgeizigen Team nicht. So trat Peter Jungwirth gemeinsam mit seiner Hündin im Herbst 2009 bei den Deutschen Meisterschaften für Fährtenhunde in Lengerich an. «Das war ein tolles Gefühl.»
Kathis Aufgabe bestand darin, eine gelegte Fährte aufzunehmen. Ein Leistungsrichter und der Fährtenleger gingen dem Herrchen und seinem Hund nach und kontrollierten, ob der Vierbeiner die versteckten Gegenstände auf dem Weg findet. «Die Gegenstände führen den Hund automatisch zum Ziel», erläutert Jungwirth.
Dass seine Kathi dabei nur den 36. Platz (bei 42 Teilnehmern) gemacht hat, stört den Rentner überhaupt nicht. «Die Konkurrenz war sehr groß.» Außerdem sei der Weg sehr weit gewesen, so dass seine Hündin Konzentrationsprobleme bekommen habe.
Kathi ist nicht der erste Boxer Peter Jungwirths. Schon als kleiner Junge träumte er von einem eigenen Hund. «Ich wollte schon immer einen Boxer haben.» Da Peter Jungwirth als Diplomingenieur beruflich viel unterwegs war, war es aber nicht möglich, sich einen Hund anzuschaffen. Erst kurz vor seiner Pension erfüllte er sich seinen Kindheitstraum.
Begeistert von dem Zusammenleben mit seiner ersten Hündin Bruni schreibt Jungwirth sogar ein Buch mit dem Titel «Geliebte Hexe Bruni», in dem er von spannenden und lustigen Geschichten mit dem Tier erzählt. «Das Buch soll auch die tiefe Verbindung, die ich zu Hunden habe, widerspiegeln.»
Der Tod von Bruni machte dem Boxer-Freund mächtig zu schaffen. «Die Tierärztin hat festgestellt, dass sie einen Tumor an der Milz hatte, der sie innerlich verbluten ließ», erinnert er sich. Doch Kathi schaffte es, ihrem Herrchen die Lebensfreude wieder zurückzugeben. «Boxer sind die tollsten Hunde die es gibt», sagt der 72-Jährige.
Die anderen 109 Mitglieder des «Boxer-Klubs Gruppe Frankfurt» teilen diese Meinung. «Deshalb wollen wir an den Tagen der offenen Tür zeigen, dass Boxer hier nicht zu Kampf-, sondern zu Gebrauchshunden ausgebildet werden», sagt Vorsitzende Martina Menzel. Das Unterhaltungsprogramm mit den Tieren komme bei den Besuchern besonders gut an. Jeweils um 15 und 18 Uhr finden Showeinlagen statt. adt
Von 12 bis 23 Uhr haben Besucher am Dienstag noch Gelegenheit, beim Tag der offenen Tür am Oberforsthaus 11 vorbeizuschauen. Weitere Infos gibt’s unter 36 40 86 82 oder unter http://www.bk-frankfurt.de. adt
Frankfurter Neue Presse, 25. Mai 2010