Eine kleine Geschichte, für die es bestimmt mehrere Überschriften gäbe. Ich habe mich für 

„Das hat er/sie noch nie vorher gemacht“

entschieden.

Sonntag 1. Juni 2008, endlich ist es so weit und wir, Don und ich, dürfen unsere ersten Prüfungen machen. Don hat heute „Geburtstag“ und wird 15 Monate alt. Sicher kann/darf „Hund“ schon mit 14 bzw. 12 Monaten die ersten Prüfungen ablegen, aber das „erste Mal“ macht man es doch gerne in gewohnter Umgebung. Ausdauer- und die Zuchttauglichkeitsprüfung sollen es heute sein, die „wir“ in unserer BK Gruppe Frankfurt bestehen wollen.  

Als um 6 Uhr der Wecker klingelt, schaut Don etwas verwundert und verschlafen über die Bettkante zu mir hoch. Bisschen früh noch oder, scheint er mir sagen zu wollen, ist aber dann doch schnell auf den Beinen und folgt mir wie jeden Morgen ins Bad. Anschließend schnell noch einen Kaffee für mich, während Don sich den Rest seiner gestrigen Abendmahlzeit reinhaut. Und dann müssen wir auch schon los, denn um 7 Uhr soll, wegen der Hitze, schon Abfahrt am Übungsgelände sein. Eigentlich sind wir beide sehr locker, denn was soll schon groß passieren. Die 20 km schaffen wir mit links und für die ZTP ist auch alles geübt. Schön sind wir sowieso, das Vermessen und Laufen kein Problem und im Schutzdienst .... lächerlich, wenn es sein muss, machen wir den Schutzdienst bei völliger Dunkelheit und unter Wasser. 

Als wir auf dem Parkplatz eintreffen, sind auch schon alle anderen da und überprüfen das letzte Mal die Fahrräder. Kurz nach 7 Uhr geht es dann auf unserer altbewährten Ausdauer-Strecke im Frankfurter Stadtwald los. Halt, diesmal gibt es kleine Änderungen der Strecke, denn anders als sonst begleiten uns Körmeisterin Frau Spelsberg und unsere „ausgeliehene“ Zuchtwartin Frau Ossig von der Gruppe Bergstraße nicht mit dem Rad, sondern mit dem Auto. Dafür sind Sven und Uwe die Strecke 2 Tage vorher abgefahren, und jetzt erklärt Sven uns die Änderungen der Strecke, denn wir, Don und ich,  sind als „Goldsteiner“ gewissermaßen als Spitze des Konvois auserkoren worden.

Wie üblich zieht Don die ersten Kilometer wie verrückt, aber die Bremsen am Rad sind neu, hitzebeständig und sollten eigentlich den ersten Ansturm überstehen. Während der Fahrt überwacht Sven ständig den Konvoi und schaut nach dem Rechten. Außerdem mahnt er das Tempo an, denn schließlich soll die Durchschnittsgeschwindigkeit 12 –15 km/h betragen. Bei den Teilnehmern scheint alles in Ordnung zu sein und auch bei uns ist alles, zumindest solange Sven neben uns fährt, ok. Don behält Sven allerdings genau im Auge und sobald auch nur das Vorderrad von Svens Rad vor uns ist beschleunigt Don mächtig, was Indira hinter uns auch sofort in den Galopp verfallen lässt. „Wie, einer vor uns“ und auch noch ein Niederräder, das kann’s ja wohl nicht sein, denkt Don und mein rechter Arm und auch die Bremsen bekommen wieder Arbeit. 

Kurz vor Goldstein hat Don sich dann etwas beruhigt und läuft brav nebenher. Mein rechter Arm und auch die Vorderradbremsen bekommen endlich ihre Erholung. Schon kommt auch schon die erste Pause am SV Platz in Schwanheim und nachdem alle Pfoten kontrolliert wurden geht es auch schon fristgemäß weiter. Don äußerte später übrigens, dass das Wasser aus den Pfützen fast noch besser schmeckte als das mitgebrachte. Anschließend ging es um die Schwanheimer Wiese, ehe dann an den Sportplätzen eine leckere Brotzeit serviert wurde. Abermals wurden die Pfoten und der allgemeine Zustand aller vierbeinigen Teilnehmer von Frau Spelsberg und Frau Ossig kontrolliert und nach 20 Minuten Pause ging es dann auf die letzte Etappe, zurück zum Vereinsgelände. Dort angekommen wurden alle noch mal auf den Platz gerufen, wo eine Mini-Unterordnung absolviert werden musste. Somit hatten alle ihre AD bestanden und Frau Spelsberg beglückwünschte die Teilnehmer.

Nach der Mittagspause ging es nun mit der ZTP weiter. Wie schon erwähnt, hatten wir beide keinerlei Bedenken, das alles glatt laufen würde. Laufen, messen, Zähne zeigen, alles lief dann auch super und bei den 2 Schüssen zeigten wir auch keinerlei Reaktion. Super alles gelaufen, nun kommt ja „nur“ noch der Schutzdienst. Mehr als selbstbewusst betraten wir den Platz. Wie stand es noch gleich in den

AUSFÜHRUNGSBESTIMMUNGEN FÜR DIE WESENSÜBERPRÜFUNG BEI DER
       ZUCHTTAUGLICHKEITSPRÜFUNG DES BK E.V., SITZ MÜNCHEN

„wobei ein für den Hund deutlich erkennbares Gerangel zwischen Hundeführer und Helfer stattfinden soll“

na, denn machen wir das auch so, denn das sonst gezeigte Anstupsen kann man ja nun wirklich nicht als Gerangel bezeichnen.

Willi nahm Don am Halsband, Frau Spelsberg hatte ihren Beobachtungsplatz am 3er Versteck bezogen und ich lief Richtung 1,80 Wand, hinter der Sven auf mich lauerte. Dass Frau Spelsberg mich erinnerte, dass ich meinen Hund aufmerksam machen könne, überhörte ich unbewusst?!

Was nun geschah, lässt sich langsamer lesen oder erzählen als es in Wirklichkeit passiert ist.

Die 1,80 Wand war erreicht, Sven kam, wild den Softstock schwingend, hervor und griff mich an. Ich packte den Arm mit der Waffe, während Sven versuchte, mich mit dem Schutzarm zu erwischen........ wir waren also so richtig schön in einem Gerangel. Nun musste doch gleich Don auftauchen......... wir schauten beide in Richtung 6er Versteck, neben dem ich Don an Willi übergeben hatte und sahen mit Schrecken, wie Don, nachdem er losgelassen wurde, mit voller Geschwindigkeit auf Frau Spelsberg zurannte. Mir wurde schlagartig speiübel und meine Gedanken drehten sich auf einmal um die Höhe der Deckungssumme meiner Haftpflichtversicherung und ob wir jemals wieder einen Platz betreten dürfen, nachdem ein Hund eine Körmeisterin zerfleischt hat.

Leider oder besser Gottseidank gibt es keine Bilder von Sven und mir. Wir müssen schön „doof“ dreingeschaut haben. Aber fast beide gleichzeitig gaben wir dann irgendwelche Laute ab. Sven rief sein Berühmtes „EEHHHHHH“ und ich hab, glaub ich, „Don“ gerufen. Wir hatten auf jeden Fall Erfolg damit, denn Don drehte so ca. 4-5 Meter vor Frau Spelsberg ab und kam auf Sven zugerast und hämmerte in seiner typischen Art voll in den Ärmel. Auch der Überfall klappte dann sehr gut und wir hatten die ZTP bestanden. Nach der Prüfung viel mir dann der Satz ein, den mit Sicherheit schon viele Hundeführer nach einer Prüfung sagen mussten; 

„Das hat er/sie noch nie vorher gemacht“

(c) Peter Junghenn, im Juni 2008