Hundeschule

Mißerfolge können frustrierend sein, aber Menschen erst.....

Wer noch nie zuvor einen Boxer in der Familie hatte und jetzt (wie die Jungfrau zu einem Kinde) plötzlich einen dunkelgestromten fast 7jährigen Hausgenossen dieser Art zusammen mit Herrchen sein eigen nennt, der muß sich ganz schön umstellen - aber wem sage ich das! Zu allem, wenn dieser Hund aus einem Hause kommt, wo Kommandos wie Sitz, Platz, Fuß, Aus, Pfui, Hier oder Bring usw. "völlig gleich klingen" und demzufolge von dem Liebling auch gleichermaßen darauf reagiert wird.

Also gibt es nicht nur im Alltag zu Hause, sondern auch beim Gassi-Gang allerhand an notwendiger Erziehung zu tun. Während Herrchen mit geübter Hand und Gestik schnelle Fortschritte auf Wegen und Wiesen verzeichnen kann (da Rudelführer ja in den meisten Fällen keine Weibchen sind), tut man sich als Frauchen-Neuling doch etwas schwerer.

Aber es gibt sie doch - die ersehnten Erfolge mühsamer Geduld!

Ein großer Vorteil, der die Liebe zum Vierbeiner in Wald und Flur nach manch harter Gefühlsprobe von vorher gänzlich wieder herstellt, ist doch wohl die Tatsache, daß draußen weder Fressens- oder Wasser-Reste weggewischt werden müssen, keine Schüttel- bzw. Wälz-Aktionen Haare auf Möbeln und Teppichen hinterlassen und auch die beim Niesen oder aus den Lefzen fliegenden Seiden-Fäden keine schlecht zu entfernenden Flecken an Fernsehern, Radios, Lautsprechern und sonstigen für Hunde völlig unnütz herumstehenden teuren Einrichtungsgegenständen verursachen.

An diesem Tag ging (mit und ohne Leckerlies) so ziemlich alles wie am Schnürchen - fast prüfungsreif. Besonders stolz war ich, daß der über alles geliebte Stock nach dem Werfen nunmehr liegen und mein Hundekind bei mir sitzen blieb, und zwar so lange, bis das ersehnte Kommando zum Holen und Bringen gegeben wurde.

Ein älterer Herr, der auf genau unserem Wiesen-Übungsplatz seinen gemütlichen Spaziergang genoss und uns offensichtlich schon von weitem beobachtet hatte, hielt im Vorbeigehen inne und wandte sich meinem Schüler zu: "Ja, ja - die anderen werden es weg, und Du sollst es dann wieder holen. Hast schön recht - das würde ich auch nicht machen."

Ich lächelte dem Herrn nur zu, während Rocky auf das fremde Ansprechen hin, welches er zu meinem Glück ja nicht verstanden hatte, wie gebannt auf die Hand des Mannes, die sich in der linken Jackentasche befand, schielte! - und der ältere Herr ging weiter.

Unser Hund war enttäuscht - und ich war erstmal baff!

Aber da wir beide inzwischen schon ein ziemlich gutes Team sind, lassen wir uns durch so etwas nicht entmutigen und machen weiter - demnächst auch auf dem Hundeplatz vom Boxer-Klub Frankfurt. Denn dort erwartet uns ja zum Üben ein neuer Profi - und das ist kein Rudelführer, sondern eine Rudelführerin!

Einen ganz tollen Sommer mit vielen Schönwettertagen für draußen im 100jährigen Jubiläumsjahr wünschen allen

Rocky und Frauchen Marina Abendroth